| nik bärtsch press | Wormser Stadtmagazin STOA Kritik | 01. 08. 2007

„JAZZ“ aus der Schweiz

Nik Bärtsch’s Ronin: STOA

Von Michael Koch

Dass die Schweizer außer Schokolade, Käse und ihrem goldigen Akzent noch weitaus interessantere Dinge zu bieten haben, das beweist die vorliegende CD...
Zugegeben ist „STOA“ schon 2006 erschienen. Da das oben betitelte Quintett jedoch ein fulminant heißes Date auf dem jüngst zurückliegenden Wormser Jazz & Joy abgeliefert hatte (RÜCKBLICK, Seite 20), passt das durchaus ins Konzept.
Die erste Frage, welche sich dem potentiellen Hörer stellt, dürfte folgende sein:
Ist das jetzt wirklich Jazz? Diese kann getrost mit einem „Ja“ und einem „Nein“ beantwortet werden. Klar, Modul 36, Modul 35, Modul 32, Modul 33 und Modul 38_14 (so heißen die 5 Stücke in numerisch korrekter Abfolge) schöpfen harmonisch zum Teil aus dem Jazz und auch die Instrumentierung (Piano, Fender Rhodes, Bass-Klarinette, Bass, Drums und Perkussion) passt. Die minimalistischen Harmonieabfolgen und ineinander verwobenen, teils komplexen Rhythmen dürften eingeschworene Puristen jedoch schnell verschrecken. „STOA“ versteht sich mehr als das Resultat einer leidenschaftlichen Suche in der Schatzkiste der modernen Musik. Hierbei dürfen mit Sicherheit Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Gustav Holst und als Vertreter der Minimal-Music, Steve Reich, genannt werden. Im Ansatz erinnern die „komponierten Improvisationen“ (allesamt von Nik Bärtsch) auch an  die revolutionäre Neufindung der Band KING CRIMSON, Anfang der 80er Jahre (Discipline, Beat & Three of a Perfect Pair). Was die Band jedoch von all ihren Epigonen unterscheidet, ist ein völlig anderer Ansatz in Bezug auf die Grundstrukturierung der im Schnitt 9 bis 15 minütigen Stücke: Die sind eigentlich alle tanzbar (!!!) und eignen sich in hervorragender Weise auch als chillige „Club-Music“. In punkto Qualität dürften sie sich allerdings ganz exorbitant von ihren adynamischen elektronischen Verwandten abheben. Und synthetische Drogen braucht man genauso wenig, um sich mit „STOA“ auf eine recht tiefgehende tranceartige Reise durchs Universum der Klänge zu begeben. Wie diese Musik jedoch letztendlich zu benennen ist, diese Frage ist nur schwer, wenn überhaupt zu beantworten.
Am besten selbst rein hören!!!
www.nikbaertsch.com
www.ecmrecords.com

Fazit: „Irgendwo im Nirgendwo“ – doch superb! Sechs blitzende Sterne. ******