Nik Bärtsch's Ronin - Stoa
CD-Reviews
von Florian Eile (check the review online:
http://www.tinnitus-mag.de/show_review.php?id=1205)
Label: ECM
Vö.: 17.3.2006
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Genre: Jazz / "Zen-Funk" / "Ritual Groove Music"
"Eine Band soll zum integralen Organismus reifen - dann lebt sie wie ein Tier, ein Biotop, ein urbaner Raum. Sie bringt Obertonblumen hervor, Ghostnotes, Schatten von Klängen, perspektivische Fluchten." - Nik Bärtsch.
Das siebte Album des schweizer Pianisten, sogleich das erste für das Münchner Jazzlabel ECM, baut Konstrukte, atmet Raum und Weite und verbrüdert sich mit fließender Monotonie. Eine faszinierend-fesselnde Musik, die aus ihrer Widersprüchlichkeit und ihrem Gegensatz aus strengstens durchkomponierten, überlangen und sich stetig wiederholenden Themen einerseits und dem ständigen Wechseln von Lichtreflexen und Standorten immer wieder herausfordert. Bärtschs Begleitband agiert fernab des Klischees von bis zur Selbstaufgabe amokspielenden Musikerhirnen und klingt trotz aller unglaublicher Präzision und Disziplin locker beschwingt. Eine Meisterleistung.
"Stoa" ist Nachtmusik. Hochkonzentriert arbeiten die Musiker an der Architektur des musikalischen Raums. Stück für Stück bauen sie Stufen, Nischen, geheime Falltüren. "Jazz" als Stichwort erscheint vor dem Hintergrund der prägenden Monotonie tatsächlich inadäquat. "Ritual Groove Music" nennt Bärtsch seine Musik. Oder "Zen Funk". Zen Funk? Der japanvernarrte Bärtsch weiß sehr genau, warum er sich diese Schublade bastelt. Seine Musik ist hochspirituell, treibend und fast schon sakral. Abgeschlossen von der Außenwelt. Die fünf Werke auf "Stoa" bilden für sich ein abgeschlossenes System, das als Überbau die Philosophie eines in sich ruhenden Mannes zur Seite gestellt bekam. Zwei Herzen vereint in einem Körper, ungeheuer kraftvoll.
"Wir sind weit entfernt vom Pathos der Perfektion" sagt Bärtsch über sich und seine Musiker und fügt hinzu:"Man braucht ein hohes Strukturbewusstsein und gleichzeitig das Wissen, dass man die Strukturen nur wiederbeleben kann, wenn man Überraschungen zulässt." Man hat das Gefühl, dass Nick Bärtschs Ronin mit ihrem rituellen Ansatz die Strukturen kitzeln und herausfordern, in dem sie sich immer weiter in ihren vertiefen (nicht verlieren!). Sie wühlen in dem, was sie gerade erschufen, um es bis in den letzten Winkel zu beobachten und schreiten dennoch voran. "Stoa" manipuliert das Hier und Jetzt. Zeitverschiebung.
9/10
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