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12. 04. 2003
Ritualmusik "Mobile Grimmer Bärtsch" in der Wasserkirche
Das letzte Tageslicht liess die Glasfenster der Wasserkirche in mystischem Rot aufleuchten, als Nik Bärtsch mit sparsam gesetzten Klavierakkorden gegen den vom Limmatquai eindringenden Verkehrslärm Einspruch erhob. Lange hallten seine Klänge nach, bis endlich der Schlagzeuger Kaspar Rast mit rhythmischen Patterns ein Gegengewicht setzte. Dieser behutsame Einstieg bot dem Ohr Gelegenheit, sich allmählich vom Alltag zu verabschieden und in das von Bärtsch konzipierte musikalische Ritual einzutauchen, das nun den Sakralraum für sechs Stunden erfüllte.
Auf Einladung des Musikpodiums der Stadt Zürich hatte sich Bärtschs Gruppe Mobile mit dem Cellisten Walter Grimmer zusammengetan, um mal federnd leicht, mal mit rockigem Groove minimalistische Muster zu weben. Sekundiert von Mats Eser (Marimba, Perkussion) und Sha (Bassklarinette, Altsaxophon) stand Ania Losinger wie eine Zeremonienmeisterin im Zentrum des Geschehens. Ihr Spiel auf dem Xala, einem eigens für sie konstruierten Bodenmarimbaphon, das sie mit Stäben und mit Füssen traktierte, wurde durch das ruhige Lichtdesign von Gioia Scanzi wirkungsvoll unterstützt. Walter Grimmer, zu dem eine ganze Generation von Schweizer Cellisten in die Lehre gegangen ist, fügte sich mit wachem Ohr in das junge Ensemble ein. Jeweils zur vollen Stunde unterbrach er den Klangstrom mit einem Stück für Cello solo ("Glissés" von Isang Yun und "Kottos" von Iannis Xenakis), das er mit körperhaftem Ton wiedergab. Diese Kombination von Verdichtung und freiem Fliessen erwies sich als äusserst suggestiv, so dass sich der Berichterstatter kurz vor Halbzeit förmlich von diesen Klängen losreissen musste, um der geneigten Leserschaft davon Kunde zu geben.
Zürich, Wasserkirche, 10.April
Jürg Huber