| nik bärtsch press | Fono Forum | 01. 04. 2006

West-östliche Botschaft


Der junge Schweizer Keyboarder Nik Bärtsch nennt seine Musik „Zen Funk“. Das klingt nach Widerspruch in sich und ist doch keine Augenwischerei. Am Anfang steht nicht mehr als ein Ton, aber dringlich angeschlagen. Immer wieder, bald eine Wiederholung, ein Echo in sich selbst, aus dem sich erste kleine Motive entwickeln, denen sich der Bass zugesellt, später das Schlagzeug. In der Tat – Nik Bärtschs Einlassungen haben etwas nachdenklich Meditatives. Sie sind einfach, manchmal funky und in ihrer überlagerten rhythmischen Struktur komplex. Da sind Steve Reich und die ganze Minimalwelt nicht weit. Aber so formal wie Reich denkt Bärtsch nicht, deshalb schwingt seine Musik, hat sensuelle Beats, arbeitet mit Riffs. Bärtsch nennt sie Module; tatsächlich setzt er die Stücke aus solchen vorkomponierten Versatzstücken zusammen.
Klavier, Bass, Drums, Percussion, mitunter eine Klarinette, Fender Rhodes. Und man weiss gar nicht, wo diese Musik hingehört – in die Clubs und Dance-Hallen? Sicher „ambient“ und „trance“ sind nicht weit, aber die amerikanischen Minimalsten auch nicht, und Bärtsch mag Cage und Feldman. Nichtsdestotrotz: Nik Bärtsch hat in der Zürcher Club-Szene einen Namen. E-Bass und Fender Rhodes weiten das Tor zusätzlich in Richtung der 1970er Jahre. Diese Musik klingt höchst heutig, körperlich, aktuell – ohnehin sind die Siebziger musikalisch momentan auf dem Vormarsch.
Bärtsch hat ein Faible für Japan. 2003 hat er sich sechs Monate dort aufgehalten, hat die fremde Kultur aufgesogen, NO-Theater studiert – und die Musik dieser CD konzipiert. Eine endlose glitzernde Klangfläche – percussiv durchsetzt von Beats und doch „timeless“. Ein Ton-Puzzle – passgenau. Da ist Bärtsch ohnehin ganz vorne.

Tilman Urbach

Musik ****
Klang *****

Nik Bärtsch’s Ronin; Nik Bärtsch (p, fender rhodes), Björn Meyer (b), Kaspar Rast (dr), Andi Pupato (perc), Sha (cl) (2005)
ECM/Universal CD 987 3631 (57’)