| nik bärtsch press | Schaffhauser Nachrichten | 29. 05. 2006

Konzert «Nik Bärtsch's Ronin» in der  Kammgarn

Klingende Samurai spielen Ritual Groove Music

Von Reto Liniger

«Nik Bärtsch's Ronin» füllten die Schaffhauser Kammgarn am Freitagabend mit Ritual Groove Music.
Mit seinem musikalischen Konzept geht Nik Bärtsch seinen eigenen Weg. Der Zürcher Musiker selbst spricht von der «Tradition des urbanen Raumes», aus der heraus sich sein Denken und seine Musik entwickeln.
Seit Jahren experimentiert Nik Bärtsch mit einer losen Forschergemeinde an dem, was er Ritual Groove Music nennt. Ein wichtiger Arbeitsplatz ist die wöchentliche Werkstatt im Zürcher Club Bazillus, einem traditionsreichen Ort städtischer Kultur und Subkultur unter der Führung des Ur-Züchers Beat Kennel.
Trotz der ausdrücklichen Verortung im urbanen Raum dominieren die Bezüge zur japanischen Kultur. Nik Bärtschs Erscheinung (kahlrasierter Kopf, schwarzes Uwagi-Hemd) erinnert an einen Zenmeister und Samurai. Der Name des fünfköpfigen Ensembles, Ronin, ist die Bezeichnung für herrenlose japanische Schwertkämpfer. Auch musikalisch hat Nik Bärtsch Impressionen seines Japanaufenthalts verarbeitet, insbesondere die Tradition der perkussiven Ritualmusik.

Angenehme Atmosphäre

Das Schaffhauser Konzertpublikum war nicht besonders zahlreich in der grossen Kammgarnhalle erschienen, was dem meditativen Konzert allerdings eine angenehme Atmosphäre verlieh. Die Anwesenden verliessen den Saal am Ende des Anlasses jedenfalls beglückt und erfüllt. Obwohl das Spektakuläre und Posenhafte bewusst ausgelassen wurde, zog die Musik die Hörerinnen und Hörer durch eine magische rhythmische Architektur in ihren Bann.

Zen-Funk

Nik Bärtsch (Piano, Fender Rhodes), Kaspar Rast (Drums), Björn Meyer (Bass), Andi Pupato (Perkussion) und Sha (Bass- und Kontrabassklarinette) behandeln ihre Instrumente vorwiegend als rhythmische Werkzeuge. Melodien treten in offenen Skalen und als Ostinati in Erscheinung. Durch diese harmonische Offenheit wirkt der Sound richtungslos; er schlägt keine Haken, steuert auf kein Ziel zu, sondern ist Ausdruck des unendlichen Moments, wie die gelassene Konzentration eines stundenlang zielenden Zen-Schützen. Spannung und Dynamik werden durch feine Variationen der sich überlagernden rhythmischen und melodischen Muster erzeugt. Diese Muster reduzieren sich manchmal auf ein einziges Instrument, um dann wieder zu einem intensiven Groove anzuschwellen, der - verstärkt durch den Einsatz eines Fender Rhodes - an Funk erinnert.