| nik bärtsch press | Neue Zürcher Zeitung | 26. 11. 2004

Präzise Klänge

Nik Bärtsch und Arte-Quartett

Die Saxophonisten des Arte-Quartetts gaben Nik Bärtsch eine Komposition in Auftrag. Mit einem städtischen Werkjahr ausgezeichnet, übersiedelte er letzten Herbst für ein halbes Jahr nach Japan und schrieb das 70-minütige Stück «Modul Ritual». Dieses nun brachte der Zürcher Pianist am Mittwoch im Moods zusammen mit den Auftraggebern, dem Schlagzeuger Kaspar Rast und dem Perkussionisten Michael Wipf zur Uraufführung. Das Arte-Quartett hat sich hier auf eine Musik eingelassen, die fasziniert durch die Struktur verschlaufter und geschichteter Patterns. Diese, gleichsam Konzentrate musikalischer Erfahrung, generieren durch additive oder subtraktive Dynamik formale Hochspannung. Obwohl durch rhythmische oder klangliche Brüche immer wieder auch klare Zäsuren gesetzt werden in die übergeordnete Form, erweckt «Modul Ritual» nie den Eindruck eines suitenhaften Bastelwerks.

Für die Interpreten allerdings hat das Konsequenzen. Nicht umsonst bezeichnet Bärtsch seine Klangsprache als Ritual Groove Music. Denn wie die Affekte im sakralen Ritual in einen vorgeschriebenen Handlungskontext eingebunden werden, ist hier die Expression quasi objektiviert in den komponierten Patterns. Die Ausdrucksmöglichkeit der vier Saxophonisten war da a priori beschränkt. Ihr Spiel aber schien auch deshalb etwas blass, weil sie sich einerseits zu wenig in die Akzente knieten - im Unterschied zu den beiden Perkussionisten. Andrerseits hat Bärtsch die Möglichkeiten des Saxophons nicht ausgereizt - statt die vier Stimmen polyphon zu verwerten, setzt er sie zumeist blockartig ein. Das Saxophon-Quartett fungierte quasi als dritte Hand des Pianisten - neben der linken, die die tiefen Register des Rhodes bediente, und der rechten am Flügel. - In «Modul Ritual» realisiert Bärtsch sein reduktionistisches Konzept mit üppigem Instrumentarium. Gefesselt zum einen von der Idee strenger Architektonik, glänzt er dabei auch als expressiver Klangmaler. Herausragend, wie er die Möglichkeiten der eigenen Instrumente beherrscht - die Kombination von Rhodes und stark verstärktem akustischem Piano etwa erwies sich als elektrisierende Einheit. Doch mitunter schaffte es Bärtsch auch, den Raum mit einem einzigen präzisen Griff in die Tasten zu verzaubern.

Ueli Bernays

Zürich, Moods, 24. November.