| nik bärtsch press | Neue Luzerner Zeitung | 01. 04. 2004

Ronin: Zunehmend in Bann gezogen

Da sitzt man im abgedunkelten Raum, hört zu und wird sehr langsam aber unweigerlich in Bann gezogen. Dabei hatte man doch gar nicht so sehr Lust auf ein Konzert verspürt. Donnerstag Abend in der Jazzkantine. Ronin spielen auf der Bühne, das Quartett des Zürcher Pianisten Nik Bärtsch. Die Musik ist bei aller Kombinatorik ein klarer Teich, eine Zen-Übung.

Die Kompositionen bestehen aus Modulen, die in repetitiven Abfolgen zusammengesetzt werden. Björn Meyer am sechsseitigen Elektrobass sowie Kaspar Rast (Drums) und Andi Pupato sind die Begleiter. Sehr oft geschieht nicht viel. Schon gar nicht, was sonst so auf Jazzbühnen geschieht. Weder Solis noch Interplays, weder komplexe Harmoniefolgen noch rhythmisch vertrackte Überlagerungen. Und doch.

Und doch ergibt sich eine Wirkung, werden die Module elastisch, kommt Groove auf, beginnt eine Form zu singen, verdichtet sich das Einfache, wird das Verdichtete einfach. Formen legen ihre Starrheit ab, Starrheit wird Dynamik, die Dynamik ist kontrolliert. Ronin machen Minimal-Music, die am Kopf vorbei in die Eingeweide wandert und dennoch nicht Bauchmusik ist.

Die Band hat in der Jazzkantine ihre kleine Tournee eröffnet, die Mitte Mai am Jazzfestival Schaffhausen zu Ende geht. Das Repertoire ist noch jung, die Zeit wird es weiter verändern. "Ziel ist, dass wir die Formen überlisten und nicht die Formen uns", sagte Nik Bärtsch am Ende des Konzertes. Eine andere Art von Musik, die im Lärm der sonstigen Betriebsamkeit geradezu heilsam wirkte.

Pirmin Bossart