Von Christian Broecking
Der Groove und der Beat haben ihn schon immer interessiert. Dass manche meinen, Groove sei meist Mainstream-verdächtig, also schlecht, etwas, das man nicht tut, stört Bärtsch wenig. „Alle Leute, die bei uns spielen, haben keine Berührungsängste mit der populären Musik. Ihnen geht es darum, in dem jeweiligen Genre so gut und intelligent wie möglich zu arbeiten.“
Es geht um Codes, gemeinsame Erlebnisse, um Ironie im Umgang mit Zeichen und darum, dass eine Band sich entwickelt, man voneinander lernt: Der Pianist und Komponist Nik Bärtsch inszeniert mit seinen Bands Mobile und Ronin eine Groove-orientierte Musik, bei der Struktur und Haltung zählen. Mit „höflicher Radikalität“ setzt sich Bärtsch von jenen konkurrierenden Musikerzirkeln ab, die seine Sounds als Tee-Funk bezeichnen. Bärtsch selbst spricht da lieber von Ritual Groove Music. Jeden Montagabend kann man sein Netzwerk im Züricher Club Bazillus erleben, nach sechs CDs in Eigenregie ist bei ECM jetzt eine neue Platte „Ronin“ erschienen.
Für den 1971 in Zürich geborenen Pianisten, der auch Philosophie und Linguistik studierte, geriet vor zwei Jahren ein längerer Japanaufenthalt, den der gut dotierte Werkpreis der Stadt Zürich ihm ermöglichte, zu einer grossen spirituellen Bereicherung. Als er jünger war, hatte Bärtsch viel in so genannten Ad-hoc-Bands gespielt – mit, wie er heute sagt, meist unbefriedigenden Resultaten. „Wir haben eine andere Haltung, eine andere Philosophie als die Musiker in den achtziger Jahren, als man gedacht hat, man müsse einfach mal ein paar total neue Leute zusammenstellen, weil man schauen muss, was aktuell passiert, wie sich das entwickelt, wie man mit Freiheit umgeht, mit Macht – das interessiert uns aber heute nicht mehr.“
Anfangs wurden Bärtsch und seine Mitmusiker auch als „New Left“ bezeichnet, weil ihre Musik gegenüber der Free-Bewegung und dem Mainstream als neuer Ansatz erschien – fern von der 68-er oder 80er-Haltung des Musikmachens, frisch und jung eben. „Abgesehen davon, was aus der ‚New Left’ nun politisch geworden ist, hielt ich das anfangs für eine ganz schöne Bezeichnung für den Beginn von etwas Neuem, von kreativer Groove Musik“, berichtet Bärtsch, „und das Rituelle ist mir persönlich sehr wichtig – ich mag Rituale, die dazu verhelfen, tolerant und verbindlich zu sein.“