| nik bärtsch press | Jazz'n'more, INTERVIEW D | 01. 03. 2006


TREND - 2/2006, März/April 2006 S. 21

Nik Bärtsch’s Ronin Goes ECM


Nur wenige Künstler aus der Schweiz konnten bisher ihre Musik auf dem Münchner Label ECM veröffentlichen. Seit neuestem ist der Zürcher Pianist Nik Bärtsch Teil jenes erlesenen Zirkels. Das mit seiner Zenfunk-Truppe Ronin eingespielte neue Album „Stoa“ ist die logische Weiterentwicklung und somit wohlverdiente Ernte einer jahrelangen und konsequenten Aufbauarbeit.

Von Marcel Benedikt


JAZZ’N’MORE: Neues Album, neues Label, neue Musik, da tut sich einiges bei Ronin. Was bedeutet das für dich?
NIK BÄRTSCH: Tatsächlich haben wir ausschliesslich neue Stücke aufgenommen, die während meines halbjährigen Aufenthaltes in Japan vor gut zwei Jahren entstanden sind. Es gibt nun auch solistischere Parts, zudem hat das Zusammenspiel von Piano und Perkussion eine neue Dimension erfahren. Die Kooperation mit einem Produzenten hat klare Wirkung gezeitigt. Einiges ist erst im Studio entstanden, indem wir beispielsweise gewisse Stücke anders angefangen haben und so ihre Frische bewahren konnten.

JNM: Der ECM-Labelchef Manfred Eicher hat das Album persönlich produziert. Wie muss man sich seinen Input für das neue Album „Stoa“ vorstellen?
NB: Als Produzent hat er wenige, dafür aber entscheidende Vorschläge eingebracht. Er war unter anderem dafür verantwortlich, dass ich das Fender Rhodes neu auf der linken Seite des Flügels positioniert habe. Durch diese Umstellung des Rhodes habe ich plötzlich ganz andere Sachen gespielt und bin am Flügel auf völlig neue Ideen gestossen. Eicher ist zu Recht ein Fanatiker des akustischen Klanges und ich konnte in dieser Hinsicht enorm viel von ihm lernen, obwohl ich mich selber seit Jahren damit beschäftige.

JNM: Wie waren die Bedingungen im Studio La Buissonne in Frankreich?
NB: Die Wahl des Studios hat sich als wahrer Glücksfall erwiesen, wir hatten während den drei Tagen hervorragende Bedingungen. Dieser Ort, das kleine, aber liebevoll eingerichtete Hotel, der kompetente und menschlich grossartige Tontechniker Gérard de Haro, all dies hat ganz einfach perfekt zusammengepasst und uns ermöglicht, das Optimum aus unserer Musik herauszuholen.

JNM: Wann und wie ist eigentlich der Kontakt zu ECM zustande gekommen?
NB: Erste Gespräche haben vor etwa drei Jahren stattgefunden, ausgelöst durch ein Konzert mit meiner anderen Formation Mobile in der Zürcher Wasserkirche. Es wurde ein Treffen arrangiert, bei welchem ich Manfred Eicher einige unserer Alben mitgegeben habe, die offenbar sein Interesse geweckt haben. Das konkrete Angebot kam schliesslich genau im richtigen Stadium unserer Bandentwicklung.

JNM: Du arbeitest ja seit Jahren mit viel Effort daran, deine Musik weiterzubringen, wie wichtig ist da der Businessteil?
NB: Ein absolut entscheidender Punkt. Neben der Musik muss unbedingt auch das Netzwerk darum herum differenziert mitwachsen, sonst kommt man nirgendwo hin mit seiner Kunst. Dies wird von vielen Künstlern vernachlässigt, es gehört aber ganz einfach dazu.

JNM: Bist du mit dem Resultat zufrieden und wie sind deine Erwartungen kommerzieller Natur?
NB: Mehr als zufrieden, ich bin echt glücklich mit diesem Produkt! Da stimmt ganz einfach alles: Vom Cover über den Inhalt, die Fotos, den Text bis zur Musik ist alles kohärent. In der Vergangenheit mussten wir oft Kompromisse in irgendeiner Form eingehen. Über den Erfolg dieses Albums zerbreche ich mir nicht den Kopf, ich bin erst mal glücklich, dass wir es fertig gebracht haben, ein rundum gelungenes Werk vorlegen zu können, hinter welchem wir voll stehen können. Wir bleiben aber auf dem Boden und werden auf keinen Fall einer selbstgefälligen Euphorie verfallen.

JNM: Deine Musik verfolgt offensichtlich das Ziel eines Gesamtkunstwerks?
NB: Schon, aber natürlich nicht im wagnerischen Sinne. Bei uns geht es darum, die Kunst zu leben. Unsere Musik ist trotz ihres teilweise meditativen Charakters nicht etwa sehnsüchtig nach Weltflucht, ganz im Gegenteil, es geht bei uns um die Hinwendung zum Hier und Jetzt. Es geht um eine gewisse Achtsamkeit dem Detail gegenüber, ohne sich jedoch darin zu verlieren. Die Mischung von Herbheit und Flow muss stimmen. Absolut entscheidend ist der innere Zusammenhalt der Band, ohne welchen diese Art schnelle Eingreiftruppe Ronin nicht funktionieren könnte.


CD Kritik:

NIK BÄRTSCH’S RONIN „Stoa“, *****
Nik Bärtsch (p, rhodes), Sha (bcl), Björn Meyer (b), Kaspar Rast (dr), Andi Pupato (perc) (ECM 1939 / Phonag)

Das siebte Album in der Reihe Ritual Groove Music zeigt eine natürliche Fortsetzung des Konzeptes von Ronin. Die vertrackten Kompositionen aus Bärtschs Feder klingen locker und doch spannungsgeladen wie eh und je. Ein klares Statement in Sachen neue Musik, die ohne Kompromisse funktioniert.