| nik bärtsch press | Ensuite | 01. 03. 2006

Von Lukas Vogelsang

ECM listening post

In den Bann ziehend, rhythmisch über den Sand gleiten. Ein unaufhörliches Einatmen. Wiederkehrend am gleichen Ort sich wegbewegen. Statische Romantik.
Nik Bärtsch’s Working Band Ronin mit dem Album «Stoa» ist ein Wunderwerk.
Nur wenige Schweizer MusikerInnen hatten bisher die Möglichkeit auf ECM herauszukommen. Manfred Eicher, der ECM-Produzent, hat zudem bei diesen Aufnahmen selber Hand angelegt – ein Gütezeichen, welches unverwechselbar hörbar ist. Dazu kommt, dass dieses Album anders daherkommt, als andere ECM-Produktionen – und doch, es passt sich perfekt in das Label ein.
Dabei ist Ronin – der Begriff stammt aus Japan und beschreibt einen herrenlosen, freien Samurai – eigentlich seit 2004 eine Work-in-Progress-Live-Band gewesen, welche jeweils am Montag im Zürcher Club Bazillus experimentierte und an den Konzepten arbeitete.
Ein bisschen Vitamin B hat nachgeholfen – eine gemeinsame Bekannte hat Nik Bärtschi mit Manfred Eicher zusammengebracht. Zum Glück. Wer in Bern die Arbeit vom Tonus Musik Labor, rund um den Musiker Don Li, mitbekommen hat, kann sich in etwa vorstellen, was auf «Stoa» zu erwarten ist. Es ist eine ähnliche Form «stoischer», repetitiver und durchkomponierter Wiederholungen. Das mag seltsam klingen. Auf der CD wird einem der Sinn davon bald bewusst und entspricht gewissermassen der Zentypischen Paradoxie. «Stoa» stilistisch einzuordnen ist nicht einfach. In den Presseunterlagen wird dementsprechend ein lustiger Bezug zwischen Japanischer Diszipliniertheit und dem rhythmischen James Brown gezogen. Mir ist dieser Vergleich zu konfus. Mit Pop-, Trance- und Ambientmusic hat Ronin nichts zu tun. Zu philosophisch bewegen sie sich in der maximalen Minimalität von Klang. Die Präzision des Konzeptes ist die Basis des Klanges. Daraus wächst in der Wiederholung die Frucht bis zur vollen Reife.
Ganz einfach eigentlich. Doch in der absurd-witzigen Komplexität der Komposition, die übrigens als Module benannt sind, und mit der Sensibilität für kleinste Veränderung, wird die Kraft im Klangbild überwältigend. Ein wichtiges Element bei dieser Produktion ist aber Manfred Eichers Ohr für die Tonaufnahme. Im Vergleich zu anderen, ähnlichen Musikproduktionen von anderen Produzenten, hat er den Instrumenten die Wärme des Klanges zurückgegeben. Das Zusammenspiel der Musiker hat er wunderbar verstanden und die pragmatische Disziplin des Klanges durch eine romantische Wärme und Geborgenheit umarmt. Die CD verlangt förmlich nach mehr und weiteren Modulen.