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01. 04. 2006
Nik Bärtsch & Ronin: "Stoa" | ECM / Phonag
KonZENtriert
Die wohl konzentrierteste Band der Schweiz zeigt mit ihrem neuen Album, wie zugänglich Komplexität sein kann.
Von Ralph Hofbauer.
Nik Bärtsch nennt seine Musik "Zen-Funk", was sich in Zeiten, wo die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass ich vor dem Schreiben dieser Zeilen Yoga gemacht habe, nach Marketingtrick anhört. Trotzdem stellt der Begriff einen interessanten Widerspruch dar, der sich auch in der Musik von Nik Bärtsch und seiner Band Ronin findet. Einkehr und Ausdruck, Meditation und Ekstase, Ruhe und Sturm.
Trotz dem vordergründigen Minimalismus der Melodien ist die Musik von Ronin rhythmisch hochkomplex. Piano, Orgel, Saxophon und Klarinette werden oft wie Perkussionsinstrumente eingesetzt und diese Mikro-Phrasierung rückt die Musik von Ronin in die Nähe von Minimal Music, ohne jedoch so emotionsarm wie diese daherzukommen. Im Gegenteil, die Klänge sind warm und organisch, bisweilen fast schon klassisch, wäre da nicht dieser mal subtile, mal dominante Groove. Die Energien, die zwischen den fünf talentierten Musikern hin und her fliessen, sind gewaltig. Zu Recht wurden sie durch einen Vertrag mit dem renommierten Jazzlabel ECM in die Garde der grossen Klangschöpfer aufgenommen. Die Konsequenzen daraus sind ein edler Sound und eine noble Verpackung.
Die Musik auf "Stoa" verdichtet sich fünfmal wellenartig, um wieder zu verebben. So entsteht durch die in sich ruhenden Muster ein Sog, der den Hörer tatsächlich in einen Zen-artigen Zustand zu versetzen vermag. Die fünf neuen Stücke oder Module, wie Bärtsch sie nennt, machen jegliche Yoga-Übungen überflüssig.
Übrigens ist der Zen-Funk von Nik Bärtsch jeden Montag im Bazillus-Klub in Zürich live zu hören.