| nik bärtsch press | Basler Zeitung | 25. 11. 2004

«Am richtigen Ort nichts tun»

Die Saxofonisten des Basler Arte-Quartetts haben beim Zürcher Zen-Funk-Spezialisten Nik Bärtsch ein Werk in Auftrag gegeben. Das Resultat gibts in der Gare du Nord zu hören.

Ein wichtiges Anliegen von Nik Bärtsch ist es, Stimmungen zu kreieren, die sowohl zum Nachdenken anregen als auch ein gewisses «Groovesuchtpotenzial» auslösen. Spannung schafft Bärtsch weder durch halsbrecherische Virtuosität noch durch abrupte Stimmungsumschwünge, sondern durch repetitive Hartnäckigkeit und Fokussierung auf klangliche Details. Auf folgende Einsicht legt der 1971 geborene Bärtsch grossen Wert: «Das Schwierigste ist, am richtigen Ort nichts zu tun.»

japanophil. Den letzten Winter verbrachte er im japanischen Kobe. Seine Faszination für Fernöstliches geht auf Akira Kurosawas filmisches Meisterwerk «Ran» zurück, das er im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal sah; später folgte die Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus. Die rituelle Strenge und die raffinierte Rohheit, wie man sie in der japanischen Kunst häufig antrifft, haben Bärtsch bei der Entwicklung seiner «Ritual Groove Music» inspiriert. Es wäre allerdings falsch, den mit viel urbaner Ironie gesegneten Bärtsch auf seine Japanophilie reduzieren zu wollen, haben doch auch Strawinsky, Morton Feldman, Steve Reich oder James Brown auf sein Schaffen abgefärbt, das er oft in multimedialen Kontexten präsentiert.

Auf die Frage, was ihm in Japan am meisten gefehlt habe, meint Bärtsch: «Die Community, also in erster Linie meine engen musikalischen Weggefährten. Für mich ist es unabdingbar, meine Musik über einen längeren Zeitraum mit festen Bands entwickeln zu können.» Diese Bands sind die akustische Formation Mobile und die elektrifizierte Combo Ronin. Bärtschs Musik basiert auf Modulen, die er als «klar auskomponierte musikalische Bausteine, die je nach Kompetenz der aktuellen Interpreten belebt werden können», beschreibt. Ein solches Modul bildet die Basis für das auskomponierte «Modul Ritual», das Bärtsch in Japan im Auftrag des Basler Arte-Saxofonquartetts schrieb.

Tom Gsteiger