
Ekstase durch Askese
RITUAL GROOVE MUSIC, der Titel meiner ersten eigenen CD, ist zugleich Programm meines musikalischen Denkens. Die Musik ist geprägt von der Liebe zum architektonisch gegliederten Raum, zu repetitiven und reduktiven Prinzipien und zur rhythmischen Verzahnung. Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Die Band wird so zum Integralen Organismus – wie ein Tier, ein Biotop, ein urbaner Raum. Man soll mit Ohren und Händen denken.
Diese Musik pflegen wir v.a. in drei verschieden ausgerichteten Formationen. Die Gruppe MOBILE spielt rein akustisch und tritt im Rahmen von bis zu 36-stündigen Musikritualen auf, in denen Licht und Raumgestaltung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Das Zenfunk-Quartett RONIN ist im Gegensatz zu MOBILE beweglicher, angriffiger und geht live mit den Kompositionen freier um. Solo spiele ich meine Stücke am präparierten Flügel, gepaart mit Perkussion.
Improvisation spielt bei aller kompositorischen Strenge und Bündelung eine wichtige Rolle in unserer Musik. Einerseits werden Akzente, Ghostnotes und Variationen zwischen den Musikern hin und her geschickt; andererseits hat oft eine Stimme innerhalb einer Komposition eine grössere Freiheit als die anderen. Sie kann so die ausgeschriebenen Verzahnungen modular beleben. So entstehen Groovebiotope oder auch entleerte musikalische Areale von roher Poesie.
Mein Denken und meine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums. Sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder Stil-Tradition. Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Fähigkeit zu fokussieren - Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit. Ekstase durch Askese.
Nik Bärtsch
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Biographie
Geboren 1971 in Zürich. Pianist, Komponist und Produzent. Lebt in Zürich. Unterricht in Jazz-Klavier und Schlagzeug ab dem 8. Lebensjahr. 1997 klassisches Klavierdiplom an der Musikhochschule Zurich. 1998-2001 Studium der Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaft an der Uni Zürich. 2003/04 halbjähriger Japanaufenthalt.
Arbeitet als Pianist und Komponist stets an seiner RITUAL GROOVE MUSIC. Leader von MOBILE (seit 1997; mit Kaspar Rast, Mats Eser & Sha) und dem Zenfunk-Quintett RONIN (seit 2001; mit Kaspar Rast, Björn Meyer, Andi Pupato & Sha). Lehrauftrag für 'Praktische Ästhetik' an der Musikhochschule ZH/Winterthur (2000-2003).
Mitbegründer des Musikclubs EXIL (2009).
Interesse am Einfluss und der Kombination von Musik und Bewegung, speziell von folgenden Körpertechniken: Aikido, Feldenkrais, Gyrotonic.
1999 und 2002 Förderungspreis der UBS-Kulturstiftung
2002 Werkjahr der Stadt Zürich
2004 Kulturpreis der Gemeinde Zollikon (Anerkennungspreis)
2006 Prioritäre Jazzförderung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
2007 Kompositions Auftrag der Pro Helvetia
Relevante Projekte & Konzerte:
Mit MOBILE:
Konzeption, Produktion & Komposition der BLUE-Trilogie (2000-2002) mit jeweils 36-stündigen live Konzerten:
2000: 'AREA BLUE' Blauer Saal, Zürich.
2001: 'AQUA BLUE', forum:claque, Baden.
2002: 'MU BLUE' Blauer Saal, Zürich (video. zusammen mit oos).
2003: 'Wasserkirche-Ritual' ( Wasserkirche Zürich, Gast: Walter Grimmer, Cello), 6-stündige Spiegel-Performance.
2005: 'PERPETUAL RHYTHM - ein musikalisches Tanzritual', 8 Stunden Performance im Rondorama auf dem Stanserhorn; Zusammenarbeit mit dem Butohtänzer Imre Thormann und seiner Bodygarage Tokio (Koproduktion mit den Stanser Musiktagen).
2005: 'SEE - ein live-muikalisches Raumbild', 4 Stunden Performance auf der Seebühne in Zürich; Zusammenarbeit mit oos (Koproduktion mit dem Theaterspektakel Zürich).
2005: Openair Doppelkonzert mit dem Gagaku Ensemble der Osaka Gakuin Univesity im Hiyoshi Schrein in Otsu, Japan.
Grössere Kompositionen:
'Modul 26 for Sextet' für die New Yorker Gruppe Bang On A Can (20 Minuten, 2010, UA Merkin Hall New York).
'Orit' für drei Perkussionisten (20 Minuten, 2008, UA am Mehrklang Festival Freiburg 08)
'Modul Ritual', New Chamber Funk I, Komposition für 4 Saxophone, Piano, Rhodes, Drums & Perkussion (70 Minuten, geschrieben in Japan 2003/04 für das ARTE QUARTETT).
'Orchestrated Moduls', New Chamber Funk II, Komposition für RONIN und das Ensemble für Neue Musik Zürich (2005, 60 Minuten).
'Macbeth' von Shakespeare/Müller, UA Sophiensäle Berlin 2004, Musiktheater, Regie: Nora Somaini.
Soloprojekt 'Hishiryo' für präpariertes Klavier und Perkussion (ab 2001)
Wichtige Konzerte und Festivals:
Portland Jazzfestival (USA), San Francisco Jazzfestival (USA), North Sea Jazz Festvial (NL); Factory Festival Paris (F); Berlin Jazz Festival (D); London Jazz Festival (UK); 'Athens Festival' in Athen (Gr); Jazzfestival Montreal (Can); Coastal Jazzfestival Vancouver (Can); 'Mozarteo Brasileiro' in Sao Paulo (Bra); Jazzfestival Kopenhagen (Dan); 'Jazz em Agosto' Lissabon (Por); 'Schleswig-Holstein Musikfestival' (D); 'JazzClassica' auf Schloss Elmau (D); 'Rheingau Festival' (D); 'Traumzeit Festival' Duisburg (D); 'Festival de Musique de Menton' (F); Pianofestival St. Petersburg (Rus); Sergey Kuriokhin International Festival St.Petersburg (Rus); Novara Jazz Festival (I); Saalfelden Jazz Festvial (Ö); Enjoy Jazz Festival (D); Motives Festival (B); Jazzfestival Kaunas (Lit); Jazzfestival Schaffhausen (CH); Jazzfestival Onze Plus Lausanne (CH); 'JazzNoJazz' festival Zürich (CH); 'Live at Sunset' festival Zürich (CH), Menuhin Festival in Gstaad (CH); Stanser Musiktage (CH); Jazzfestival Cully (CH); Jazzfestival Willisau (CH)
Film-Musik für das Dokumentarfilm-Projekt PHOTO SUISSE (2003/04) und DESIGN SUISSE (2005/06) von SFDRS sowie für SWISS VIEW.
Musik für die CD 'Design Hören' des Architekturmagazins 'HOCHPARTERRE' & des ITH (2004)
Kollaborationen:
Konstante Zusammenarbeit mit dem Butoh Tänzer Imre Thormann (seit 2004: Perpetual Rhythm 2005, Voyager 2006, Parallel 2008: Bilder)
Konstante Zusammenarbeit mit dem Japanischen Tänzer Hideto Heshiki (seit 2006: Stereo 2007)
'Isorhythmen & Module' für zwei präparierte Flügel zusammen mit dem Zürcher Pianisten und Komponisten Christoph Stiefel (seit 2003).
Zusammenarbeit mit dem Berner Klarinettisten, Komponisten und Produzenten Don Li an dessen TONUS-MUSIC (1996 - 2002)
CH-New-Jazzfestival Tour mit Harald Haerter 1997.
Final beim 'European Jazzcompetition' des Jazzfestival Leverkusen
1995 mit der Band 'Domenico Ferrari & the groove cooperative'.
Weitere wichtige Theatermusik-Kompositionen:
'Titus Andronicus' von Shakespeare/Müller, Theater Kampnagel in Hamburg (Festival Junge Hunde 1999); 'Gier' von Sarah Kane und 'Kühltransport' von Maxim Biller am TIF Dresden 2001 bzw. 2002; 'Medea' von Euripides' Stadttheater Mönchengladbach 2002;
Regie: Nora Somaini.
Diskographie:
Nik Bärtschs Ronin, „LLYRIA“, ECM 2010
Nik Bärtschs Ronin, „HOLON“, ECM 2008
Nik Bärtschs Ronin, „STOA“, ECM 2006
Nik Bärtschs Mobile, „AER“, 2004, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, „REA“, 2004, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, Live, 2003, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtsch, „Hishiryo“, Piano Solo, 2002, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, „Randori“, 2002, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Mobile, „Ritual Groove Music“, 2001, Ronin Rhythm Records
Tonus-Music Labor Res. Result LIVE Vol. 1 & 2 Tonus Music Records 2002
Don Li's Tonus, GEN , Tonus Music Records 2001
Don Pfäffli's Tonus, SU:N, Brambus, 1999
Menico Ferrari & the groove cooperative, About Roses and Thorns 1994, vergriffen